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Autor Thema: Geschichten aus dem Ödland - Part I  (Gelesen 3197 mal)
Nachtmensch
HQ-Redaktion
Fallout Crack
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« Antworten #60 am: 14. September 2009, 07:46:14 »

„Weg mit der Waffe. Sofort fallen lassen. Na los!“
„Runter! Runter auf die Knie. Und keine Mätzchen, ja!?“
„Du auch. Waffe weg, und zwar plötzlich. Na wird’s bald?“
Die Angegriffenen waren überrumpelt genug, um kaum Widerstand zu leisten. Zwei oder Drei hatten noch zurückgeschossen, aber ein dichter Kugelhagel der Feuererwiderung aus Dutzenden Waffen brachte sie rasch zur Räson. Die vorderen Sturmspitzen drangen bereits ins Erdgeschoß des Towers ein, während draußen noch gegnerische Soldaten entwaffnet und gefesselt wurden.
Ein Marine war gefallen, zwei weitere verwundet.
Bis jetzt!
Jeremia betrachtete zufrieden das Geschehen ringsum.
"Two Six, wir gehen jetzt zu den oberen Appartments vor. Ein Teil von uns ist auf dem Weg in den Keller. Over!"
"Verstanden, Three Nine. Wie ist die Lage da drinnen?"
"Haufenweise panische Zivilisten, Sir. Aber die Bewaffneten sind alle hinüber. Mann, die Squaw hat hier ordentlich aufgeräumt. Nur noch Tote."
"Verstanden, Three Nine. Gehen Sie das ganze Gebäude durch und halten sie mich auf dem Laufenden. Over!"
"Two Six, hier Two Five. Wir sind im Keller auf den Zugang zu einem U-Bahnschacht gestoßen. Sollen wir reingehen?"
"Negativ, Two Five. Sichern sie nur die Tür. Niemand verläßt oder betritt das Gebäude auf diesem Weg. Wir warten ab, ob wir das Ziel hier finden. Wenn nicht, rücken Sie mit Ihren Männern in die U-Bahn vor. Over!"
"Verstanden, Two Six. Wir machen hier dicht und warten ab. Over and Out!"
"Two Six, hier Easy Rat Five. Sturmtrupp ist abgesetzt. Benötigen Sie Feuerunterstützung am Boden, Sir?"
"Negativ, Easy Rat. Alles unter Kontrolle. Aber danke für das Angebot!"
"In Ordnung, Two Six. Wir gehen in Warteschleife und spielen noch ein paar gute Songs inzwischen."
"Two Six! Two Six! Hier ist Viper. Wir haben sie. Ich wiederhole: Wir haben Sister... und die Squaw! Alle wohlauf! Penthouse-Appartment. Das Gelände ist gesichert und gehört jetzt uns. Erbitte Bestätigung. Over!"
"Verstanden, Viper. Sie haben das Ziel gesichert! Bleiben sie vor Ort und warten sie auf Zusamentreffen mit den restlichen Einheiten. Wir machen hier nur noch den Dreck weg, dann kommen wir rauf. Over and Out!"
"Two Five, hier Two Six! Bleiben Sie an der Tür und halten Sie uns den Rücken frei. Wir gehen nicht in den Schacht."
"Schon gehört, Two Six. Wir halten Position. Over!"
Jeremia war hochzufrieden.
Eine ausgezeichnete Operation.
Keine fünfzehn Minuten und alles schien sich in Wohlgefallen aufzulösen.
Draußen auf dem Hof wurden fliehende Zivilsten abgefangen, auf die Knie gezwungen und nach Waffen durchsucht. Einige der offensichtlich gut situierten Herrschaften erhoben lautstarken Protest gegen die nächtliche Störung, aber die Marines ließ das herzlich kalt. Wer sich nicht zu verhalten wußte, wie sie es wollten, wurde eben mit dem Gesicht in den Dreck getreten und bekam einen Sturmgewehrlauf ins Genick gedrückt. Selbst die Hartnäckigsten unter den Widerspenstigen wurden daraufhin lammfromm.
Jeremia stiefelte währenddessen auf den Fahrstuhl zu.
"Two Six! Hier Three Nine. Zusammentreffen mit Viper's Team ist erfolgt. Die Hütte ist sauber. Wir haben alle. Over and Out!"
"Wunderbar!" sagte Jeremia noch zu sich selbst, dann schwangen die Türen des Lifts vor ihm auf.

Oben angekommen erwartete ihn eine ganze Galerie Soldaten, die an den Wänden entlang in sichtlicher Entspannung lehnten. Die Tür zu Tenpennys Appartment lag im Inneren des Raumes. Er marschierte über die knackende Holzplatte hinweg und schwenkte nach einem kurzen Ringsumblick nach rechts. Auf der Terrasse hielt er ruckartig an.
"Ah! Mister Tenpenny persönlich. Welch eine Freude! Der Mann, der ein Problem mit Ghulen hat."
"Nein, Sir. Da muß ich sie leider enttäuschen. Auch wenn GNR das stets behauptet. Aber die Männer, die hier ein Problem mit Ghulen haben, sind jetzt entweder tot oder Ihre Gefangenen. Darf ich Ihnen vielleicht auch einen Drink anbieten?" erwiderte der alte Kauz seelenruhig.
Jetzt erst bemerkte Jeremia, daß alle Anderen ebenfalls ein Glas Scotch in der Hand hielten.
Angesichts dieser schweigenden Mehrheit nickte der Einsatzleiter nur.
Nachdem er sich selbst etwas von der bräunlichen Flüssigkeit eingeschenkt hatte, wandte er sich an Lola.
"Was läuft hier eigentlich? Wieso hast Du einen Bademantel an? Und warum sitzt Du hier ganz entspannt auf der Terrasse, während wir auf Teufel komm raus Krieg spielen, um Dich zu befreien?"
Das Mädchen lächelte.
"Das mußt Du mit Mister Tenpenny abklären, schätze ich. Ich hab jetzt jedenfalls was Anderes zu tun."
Damit sprang sie auf, nahm Kiowa am Handgelenk und zog sie ins Innere des Appartments hinter sich her.
Im Badezimmer schlug sie die Tür hinter ihnen zu und schloß ab.
Eine Weile standen sich die beiden Mädchen nur stumm gegenüber.
Dann sagte Lola: "Du siehst furchtbar aus. Solltest Dir mal das Blut vom Gesicht waschen."
"Du siehst auch nicht besser aus. Was hast Du mit Deiner Hand gemacht?"
"Verloren." erwiderte Lola. "Und nicht wiedergefunden."
Kiowa lächelte.
Dann machte sie einen Schritt auf ihr Gegenüber zu, zog den Knoten an ihrem Bademantelgürtel langsam auf und streifte ihr das einzige Kleidungsstück, das sie trug, von den Schultern ...

"Scheiße. Dann hatte das Schlitzauge wirklich recht. Sie haben uns hierher gelockt, damit wir ihr Sicherheitspersonal hopsnehmen?"
Jeremia saß inzwischen auf dem Stuhl, den Lola vorhin verlassen hatte.
"Ganz Recht, Sir." erwiderte Tenpenny. "Und ich kann Ihnen und Ihren Männern gar nicht genug danken für Ihre Hilfe. Wenn Sie also irgendeinen Wunsch haben, den ein alter Mann Ihnen erfüllen kann ... nur zu. Keine falsche Bescheidenheit."
Der Angesprochene nahm einen großen Schluck Scotch. Dann sah er sein Gegenüber durchdringend an.
"Da gäbe es so Einiges, was ein Mann mit Ihrem Vermögen tun könnte. Zumal Sie bekanntlich Ihre Kronkorken ja dafür benutzen, ziemlich lästige Personenkreise zu finanzieren."
"Das würde ich so nicht formulieren." warf Tenpenny ein. "Es ist eher so, daß die Personenkreise, die ich anfangs finanziert habe, sich mit der Zeit zusätzliche Einkommensquellen gesichert haben und ein wenig meiner Kontrolle entglitten sind. Womit wir bei unserem nächsten Thema angelangt wären. Sagt Ihnen der Name Eulogy Jones zufällig etwas?"
"Nicht daß ich wüßte. Wer sollte das sein?"
Allistair nippte wieder einmal an seinem Glas, ehe er reagierte.
"Dieser Mann thront in Paradise Falls, umgeben von Söldnern, Abenteurern und kriminellen Nichtsnutzen aus dem ganzen Ödland. Und dort hält er mit Hilfe dieser Privatarmee ein ganz spezielles Geschäft am Laufen, wie allseits bekannt sein dürfte. Sie und Ihre hervorragenden Soldaten haben diesem asozialen Subjekt ja inzwischen ziemlich in die Suppe gespuckt. Würden Sie sagen, es wäre nur konsequent, ihm jetzt endgültig den Saft abzudrehen?"
Jeremia nickte. "Durchaus. Das ist auch schon in Planung."
"Ausgezeichnet." entgegnete Tenpenny. "Dann würde ich vorschlagen, Sie nehmen meine Bitte an und erlauben mir, Ihre Operation gegen die Menschenhändler um diesen Eulogy zu finanzieren und auszurüsten."
"Wenn Ihnen das ein Anliegen ist. Bitte! Gegen ein paar handfeste Kronkorken ist wohl kaum etwas einzuwenden. Aber mir brennt da ein ganz anderes Thema unter den Nägeln. Und es hat sogar einen Namen: Talon!"
"Darum..." sagte der alte Herr freundlich "...werden wir uns später kümmern. Ich habe da schon sehr konkrete Pläne mit Ihrer charmanten Oberbefehlshaberin vereinbart. Seien Sie versichert: Ich stehe voll und ganz hinter Ihrer Sache. Und jetzt, da Sie mir alle beschränkenden Einflüsse in dieser lehrbuchreifen Angriffsaktion vom Hals geschafft haben, wird mich auch niemand mehr daran hindern können, meinen Kronkorken den richtigen Weg zu weisen. Cheers!" ...

Als Lola zurückkehrte, trug sie ihren Kampfanzug wieder, hatte ihre Waffen dabei und wirkte so ziemlich aufbruchsbereit. Während Kiowa im Inneren der Suite wartete, schlenderte sie nach draußen auf die Terrasse.
Dort angekommen griff sie nach ihrem Glas Scotch auf dem Tisch und prostete Jeremia zu.
"Und? Kommen die Herren hier auf einen grünen Zweig?"
"Langsam, aber sicher." erwiderte Jeremia.
Kurz sahen sich die Beiden genauer an, dann fragte Lola:
"Was ist? Wieso glotzt Du so seltsam?"
"Ich bin mir nicht sicher ..." entgegnete er. "...aber Du hattest doch vorhin noch kein Blut im Gesicht, oder!?"
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